Guide pratique

Guide Vol rando — Matériel & conseils

Approche montagne : randonner léger, voler haut. Compromis poids/performance.

Wanderfliegen ist Berg, den du dir verdienen musst

Das Wanderfliegen ist die Kunst, sich seinen Startplatz im Schweiße des Angesichts zu erarbeiten. Du packst alles auf den Rücken, steigst den Pfad hoch wie ein ganz normaler Wanderer, und dort oben gehst du nicht über denselben miesen Weg zurück, der deine Knie ruiniert — du baust deinen Schirm auf und fliegst nach Hause. So einfach ist das. Keine Seilbahn, kein Shuttle, kein Gedränge am Startplatz um 11 Uhr mit fünfzehn Piloten, die sich gegenseitig auf die Nerven gehen. Nur du, dein Sack und der Felsen, den du dir ausgesucht hast.

Ich mache das jetzt seit fast zwanzig Jahren in den Vogesen und den Alpen, und eines kann ich dir sagen: Wanderfliegen verändert dein Verhältnis zum Fliegen komplett. Du fliegst nicht mehr, um Leistung zu bringen, du fliegst, um den Berg anders zu erleben. Der Start wird zur Belohnung, nicht zur Formsache. Und wenn du dein Biwak auf einem Grat aufgeschlagen hast, die Sonne hinter dem Gipfel versinken siehst und der gepackte Schirm neben dir liegt, dann verstehst du, warum manche Piloten dieser Disziplin komplett verfallen.

Wanderfliegen oder Hike & Fly: nicht ganz dasselbe

Man wirft die beiden gerne in einen Topf, und das ist auch verständlich, die Grenze ist fließend. Aber der Geist ist nicht derselbe, und das ändert das Material, das du mitschleppst.

  • Wanderfliegen: die Wanderung ist die Hauptspeise. Der Flug ist der Nachtisch. Du nimmst einen etwas schwereren Rucksack in Kauf, wenn das Gehen bequemer ist, weil du mehrere Stunden, manchmal mehrere Tage mit Biwak unterwegs bist.
  • Hike & Fly: der Flug ist das Ziel. Du optimierst alles, um schnell zu starten und lange zu fliegen, in der Thermik, im Streckenflug. Jedes Gramm zählt, der Gehkomfort kommt erst danach.

Wenn du in der Disziplin neu bist, gehen wir den ganzen Material- und Technikkram ausführlich im Hike-&-Fly-Guide durch — die beiden Welten überschneiden sich enorm.

Autonomie: das eigentliche Thema beim Wanderfliegen

Beim Wanderfliegen bist du allein der Herr an Bord. Niemand holt dich raus, wenn du dich in der Route vertust oder bei Einbruch der Dunkelheit an einer Felsstufe festhängst. Autonomie ist kein Modewort, sondern eine mentale Disziplin.

Ganz konkret beruht Autonomie auf drei Säulen: dem Gewicht, das du trägst, Wasser und Verpflegung und deiner Fähigkeit, zu Fuß abzusteigen, falls der Flug nicht möglich ist. Der letzte Punkt ist entscheidend: Ein guter Wanderflieger startet immer mit dem Gedanken, dass er genauso gut auf seinen eigenen Beinen heimkommen kann. Der Gleitschirm bleibt eine Option, keine Pflicht. An dem Tag, an dem du das vergisst, erinnert dich der Berg daran — und selten freundlich.

Fürs Biwak rechnest du mit reichlich Wasser (der Berg trocknet dich aus, besonders nachmittags in der Thermik), mit etwas Warmem zum Abendessen und etwas Kaltem für den Morgen, mit einer Schlafausrüstung, die zur Höhe passt — auf 2000 m kann es im Juli 3 °C haben — und mit einem Filtersystem oder Entkeimungstabletten, wenn du auf Quellen angewiesen bist. Jedes überflüssige Kilo spürst du nach 1000 Höhenmetern in der Wade.

Ultraleichtes Material: Entscheidungen treffen, keine dummen Kompromisse

Der große Anfängerfehler beim Wanderfliegen ist die Annahme, man müsse alles auf einen Schlag in Ultralight kaufen. Nein. Man macht das schrittweise leichter, Posten für Posten, und behält die Sicherheit als Kompass. So denke ich mit den Piloten, die in der Werkstatt vorbeikommen.

Der Schirm: leicht heißt nicht ungebremste Leistung

Fürs Wanderfliegen ist der richtige Kompromiss ein leichter, aber gutmütiger Schirm. Wir bleiben im vernünftigen Bereich:

  • EN-A light oder EN-B light: 2,5 bis 4 kg je nach Größe. Das ist der Kern für 80 % der Piloten, die in EN-B fliegen.
  • Einfaches Aufziehen: am Berg sind die Startplätze oft verwinkelt — schräger Boden, böiger Wind, wenig Platz. Ein Schirm, der gerade hochkommt und verzeiht, ist Gold wert.
  • Kompaktheit: der Schirm muss in den Rucksack passen, ohne dass du zwanzig Minuten Tetris spielst.

Kleine Warnung vom Fluglehrer: Leichtschirme verwenden dünne Tücher (manchmal 27 g/m²), die anfälliger für Abrieb und enges Packen sind. Das ist kein Mangel, das ist der Preis fürs Gewicht. Du musst sie nur mit etwas mehr Sorgfalt behandeln als deinen Schulschirm. Dazu kommen wir im Sicherheitsteil zurück.

Gurtzeug, Rettung, Rucksack: die andere Hälfte des Gewichts

Der Schirm ist die halbe Geschichte. Der Rest spielt sich beim Gurtzeug, der Rettung und dem Rucksack ab. Beim Wanderfliegen setzen viele Piloten auf das Wende-Rucksackgurtzeug: du gehst mit einem bequemen Rucksack, und oben angekommen drehst du ihn um, und er wird zu deinem Gurtzeug. Clever, spart Gewicht, spart Platz.

Bei der Rettung nimmst du leicht (Leichtrettung oder Ultralight-Rundkappe), aber du nimmst EINE. Da gibt es keine Diskussion. Eine Rettung, die 1,2 kg statt 1,6 kg wiegt, bleibt eine Rettung. Eine fehlende Rettung ist russisches Roulette.

Tabelle: Posten für Posten leichter werden, ohne sich in Gefahr zu bringen

PostenKlassisches SetupLeichtes Wanderflug-SetupDie Falle
SchirmEN-B Standard, 4,5–5,5 kgEN-A/B light, 2,5–4 kgEine Sicherheitsklasse runter nur, um Gewicht zu sparen
GurtzeugKomfortgurtzeug, 4–6 kgLeichtgurtzeug oder Rucksackgurtzeug, 0,5–2 kgDen kompletten Rückenschutz opfern (Schaum/Airbag)
RettungKlassische Rundkappe, 1,5–1,8 kgLeichtrettung, 1,0–1,3 kgOhne Rettung starten, „weil sie schwer ist“
RucksackPacksack, 1,5 kgRucksackgurtzeug oder Wanderrucksack 35–45 LEin Sack ohne Hüftgurt, der die Schultern aufscheuert
HelmIntegralhelmLeichter, zugelassener HelmEin nicht für den Flugsport zugelassener Fahrradhelm

Die Logik passt in einen Satz: Man macht den Komfort und den Ballast leichter, niemals die Grundsicherheit (Zulassung, Rettung, Rückenschutz, Helm). Wenn du bei einem Posten unsicher bist, komm in der Werkstatt in Oderen vorbei oder schreib uns — wir wiegen, wir vergleichen, wir beraten dich nach deinem realen Startgewicht und deinem Gelände.

Tourenplanung: die halbe Arbeit machst du zu Hause

Ein schöner Wanderflug wird am Vorabend vorbereitet, Karte auf dem Tisch. Hier die Methode, die ich konsequent anwende:

  • Erkunde den Startplatz UND den Landeplatz schon beim Aufstieg. Während du hochsteigst, schau, wo du startest, wie die Hangneigung verläuft, wo Hindernisse sind. Und vor allem: stell dir die Landung vor — ein zu kleines oder eingezäuntes Feld, von oben erkannt, ist ein Schreck weniger.
  • Studiere die Ausrichtung der Hänge. Ein Südstart bringt nichts bei Nordströmung. Der Hang muss zum vorhergesagten Hauptwind zeigen.
  • Plan einen Plan B zu Fuß. Notiere dir den Abstiegspfad. Immer. Wenn der Flug nicht zustande kommt, gehst du ohne Drama runter.
  • Berechne deine Zeitreserve. Am Berg beruhigt sich die Aerologie gegen Abend, kann aber auch schlagartig kippen. Geh früh los, trödle nicht, halt dir Reserve bis zum Einbruch der Dunkelheit.

Karten-Apps und Flugplattformen zeigen dir die erfassten Startplätze, aber nichts ersetzt die Erkundung vor Ort und den gesunden Menschenverstand. Die Karte zeigt dir nicht den Stacheldraht mitten im Landefeld.

Bergwetter: deine beste Freundin oder dein schlimmster Feind

Am Berg liest man das Wetter nicht wie im Flachland. Das Relief verstärkt alles: der Wind beschleunigt in den Scharten (Düseneffekt), die Hangbrisen kehren sich im Lauf des Tages um, und eine harmlose kleine Quellwolke kann am Nachmittag in einer Stunde zum bedrohlichen Amboss werden.

Meine goldenen Regeln als alter Hase:

  • Flieg morgens oder am späten Nachmittag für das ruhige Wanderfliegen. Die Bedingungen sind sanfter, die Brisen besser beherrschbar.
  • Hüte dich vor dem gewittrigen Nachmittag. Im Sommer steigt die Instabilität ab 13–14 Uhr. Wenn der Himmel aufquillt und es im Westen dunkel wird, packst du ein und steigst zu Fuß ab. Ohne Wenn und Aber.
  • Beobachte den Höhenwind, nicht nur den am Boden. 15 km/h im Tal können 40 km/h am Grat verbergen.
  • Meteowind + Thermikbrise addieren sich. An einem sonnigen Hang am Nachmittag kann es am Start schnell ruppig werden.

Um die feine Aerologie und das Fliegen in Aufwinden zu vertiefen, ergänzt der Thermikflug-Guide diesen Bergansatz sehr gut.

Sicherheit: der Berg verzeiht keine Halbherzigkeit

Wanderfliegen addiert die Risiken des Bergs zu denen des Gleitschirmfliegens. Das ist doppelte Wachsamkeit. Ein paar nicht verhandelbare Grundsätze:

  • Check das Wetter bis zur letzten Minute und akzeptiere den Verzicht. Der beste Flug ist manchmal der, den man nicht macht.
  • Kompletter Vorflugcheck am Start, auch müde nach dem Aufstieg. Genau wenn man fertig ist, übersieht man ein Schäkel oder einen verhedderten Tragegurt.
  • Nimm immer deine Rettung mit und geh den Wurf vor jedem Flug mental durch.
  • Sag jemandem deine Route und deine geschätzte Rückkehrzeit. Beim Solo-Biwak ist das überlebenswichtig.
  • Pfleg dein Leichtmaterial. Dünnes Tuch = sauberes Packen, keine spitzen Steine unter dem Schirm, regelmäßige Kontrolle von Porosität und Leinen. Unsere Werkstatt fürs Rettungspacken und die Revision ist genau dafür da: wir prüfen, wir reparieren, und du gehst beruhigt wieder los.
  • Kenn deine Grenzen. Ein Start am Steilhang mit Seitenwind improvisiert man nicht. Wenn dir der Start unwohl ist, steig ab. Mach SIV und Übungshang-Kurse, bevor du dich an anspruchsvolles Gelände wagst.

Die Botschaft von Rid'Air ist immer dieselbe: in Sicherheit Fortschritte machen, weder zu schnell noch zu langsam. Wanderfliegen belohnt die Geduldigen.

Ethik und Respekt vor dem Lebensraum: wir fliegen bei jemandem zu Hause

Der Berg ist kein regelloser Spielplatz. Er ist ein lebendiger, fragiler, geteilter Lebensraum. Beim Wanderfliegen und Biwakieren gilt der gesunde Menschenverstand des Bergmenschen:

  • Hinterlass keine Spuren. Dein ganzer Müll kommt mit dir runter, auch die Schalen. Diskretes Biwak, spät aufgebaut, früh abgebaut.
  • Respektiere die Tierwelt. Meide Brutgebiete von Greifvögeln und Naturschutzgebiete, besonders im Frühling. Ein am Horst gestörter Bartgeier bedeutet eine verlorene Brutsaison.
  • Respektiere die anderen Nutzer — Wanderer, Hirten, Herden. Wir ziehen abseits der viel begangenen Pfade auf und überfliegen keine Herden im Tiefflug.
  • Informier dich über die lokalen Vorschriften: manche Zonen sind für Überflug oder Biwak gesperrt. Ein Nationalpark wird respektiert.

Wir haben das Glück, einen wunderbaren Sport in ebenso wunderbaren Kulissen auszuüben. An uns liegt es, sie für die zu bewahren, die nach uns kommen. Beim CEM, seit 1977, geben wir auch das weiter: der Respekt vor dem Berg gehört zum Beruf des Piloten.

Unsere Empfehlung von Rid'Air

Wenn du mit dem Wanderfliegen anfängst, such nicht das leichteste Setup auf dem Markt. Such das sicherste Setup für DEIN Niveau und mach es dann schrittweise leichter. Ein gut gewählter EN-A light oder EN-B light, ein leichtes Gurtzeug mit ordentlichem Schutz, eine Rettung, ein bequemer Rucksack: das ist die Basis für ein Kit, das dir jahrelang gute Bergflüge beschert.

Und vor allem: tapp nicht in die Falle, eine Sicherheitsklasse runterzugehen, nur um 400 g zu sparen. Ein Pilot, der sich in seinem Schirm wohlfühlt, fliegt besser, länger und wird älter. Wenn du den letzten Schrei in Ultralight nicht brauchst, behalt dein Geld — vielleicht reicht dein aktueller Schirm zum Einstieg völlig aus.

Brauchst du eine persönliche Beratung, um dein Wanderflug-Kit zusammenzustellen? Schreib uns oder komm das Material in Oderen ausprobieren, am Fuß des Markstein — wir kennen das Gelände in- und auswendig. Und um beim Marsch-und-Flug tiefer einzusteigen, lies unseren Hike-&-Fly-Guide oder stöbere durch die Leichtauswahl im Shop.

Fly safe,

Cyrille MARCK und das Team von Rid'Air/CEM